Substanz ist das beste Marketing
Vor ein paar Monaten stand Simon Ballisat und sein Team von Galaxus bei uns im Laden am Bahnhof Baden. Kamera dabei, ein paar Fragen, später noch ein Besuch in der Rösterei im Oederlin Areal. Sie wollten wissen, wie das alles entstanden ist. Und während ich so erzähle, merke ich selbst, dass ziemlich viel nicht geplant war.
Seit der Beitrag online ist, bekomme ich Nachrichten, wie wir unser Marketing strukturieren. Die ehrliche Antwort ist mega unspektakulär: Es gibt keinen Plan. Keine Agentur und keine Strategie. Ziemlich Freestyle.
Die laute Phase
Am Anfang war da einfach nur diese Überzeugung, dass der Kaffee am Bahnhof besser sein muss. Und das habe ich laut gesagt. Ich habe diskutiert, provoziert, mich exponiert. Ich bin sicher, ich bin damit auch einigen Leuten ordentlich auf den Wecker gegangen. Für mich hat es sich aber ziemlich natürlich angefühlt.
Diese Anfangszeit war ein purer Tunnelblick. Ich bin All-in gegangen. Fast 8 Monate jeden Tag an der Bar, von 6-18 Uhr. Tage voller Entscheidungen und viel Druck mit dem ich mich oft überfordert fühlte, ohne es jemandem zu sagen. Rückblickend ist es fast wahnsinnig, wie „normal“ sich dieser konstante Stress angefühlt hat. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich begriffen habe: Cortisol im Körper ist keine Auszeichnung. Permanenter Ausnahmezustand ist nicht cool, sondern zerstörerisch. Ich musste lernen, das Feuer am Brennen zu halten, ohne selbst darin zu verbrennen. Ich musste lernen den Dingen wieder nachzugehen, die mich früher schon immer glücklich gemacht haben.
Fokus statt Lärm
Heute fühlt es sich anders an. Klarer. Ruhiger. Sicher nicht weniger ambitioniert, aber bewusster. Wir rösten, wir liefern, wir optimieren Prozesse. Wir sprechen mit den Produzenten im Ursprung und den Gastronomen hier vor Ort. Wir entwickeln uns weiter, aber ohne das Gefühl, ständig kurz vor der Explosion zu stehen. Und das tut gut.
Dass Anfragen und Insta Collabs wie die von Galaxus kommen, hat niemand geplant. Das ist einfach passiert. Vielleicht genau deshalb, weil wir nie versucht haben, „sichtbar“ zu sein – sondern einfach versucht haben mit unseren Kund:innen zu kommunizieren.
Das "Konzept"
Dass eine grosse Plattform auf eine kleine Rösterei aus Baden aufmerksam wird, ist ein schönes Kompliment. Aber es ändert nichts an dem was wir tun. Wenn das überzeugt, spricht es sich herum. Wenn die Qualität nicht stimmt, rettet dich auch das teuerste Marketing nicht.
Vielleicht ist das unser einziges echtes Konzept: Kein Marketing ohne Substanz. Sondern Substanz, die irgendwann zum Marketing wird.