Ein neuer Auftritt

|Nicolas Vuille

Vor rund acht Monaten habe ich den Anstoss gegeben, dass wir unseren visuellen Auftritt neu denken müssen. Nicht, weil etwas grundsätzlich falsch lief - im Gegenteil. Viele Dinge funktionierten eigentlich erstaunlich gut. Obwohl sehr viel Freestyle. Aber über die letzten Jahre hatten wir unglaublich viel ausprobiert. Mal sah etwas so aus, dann wieder komplett anders. Neue Ideen, neue Richtungen, neue Ansätze. Das war spannend, aber gleichzeitig auch extrem anstrengend in der Umsetzung, weil wir gefühlt immer wieder von vorne angefangen haben.

Mitten im täglichen Trubel war es schwierig, sich selbst ehrlich im Spiegel anzuschauen. Wir wussten irgendwann schlicht nicht mehr genau, wie caffè UNO eigentlich aussieht. Und wahrscheinlich passiert genau das, wenn man eine Marke über Jahre sehr intuitiv entwickelt. Man wächst, verändert sich ständig, probiert aus, reagiert auf Situationen und irgendwann merkt man, dass alles zwar irgendwie zusammengehört, aber noch keine klare gemeinsame Sprache spricht.

Durch Kontakte und Vernetzung im Food-Bereich habe ich angefangen, nach Leuten zu suchen, die uns dabei helfen könnten. So bin ich auf Stephanie und Sophia von Seto Studio gestossen. Was ich sofort spannend fand: Sie kannten uns überhaupt nicht. Keine vorgefertigte Meinung, kein bestehendes Bild von UNO. Genau das wollten wir.

Also sind sie mit dem Zug von Zürich nach Baden gekommen und wir haben ihnen gezeigt, was wir machen. Wie wir arbeiten, wie wir Kaffee verstehen und wie wir über dessen Welt denken. Nicht nur als Getränk, sondern als Kultur, Handwerk und Alltag. Wir wollten nicht einfach ein schönes Design. Wir wollten jemanden, der versteht, warum wir gewisse Dinge tun und weshalb sich UNO manchmal eher wie ein lebendiger Ort als wie eine klassische Kaffeemarke anfühlt.

Relativ schnell war klar, dass unser Logo bleiben soll. Es gehört zu UNO und es funktioniert. Trotzdem wollten wir herausfinden, wie man daraus ein flexibleres visuelles System entwickeln kann. Etwas, das sich bewegen darf und trotzdem klar bleibt. Gleichzeitig wollten wir uns nicht komplett neu erfinden. Wir wollten eine Linie weiterziehen, nicht alles neu schreiben. Denn viele Dinge haben bereits funktioniert.  sie waren einfach nicht konsequent genug verbunden. So haben wir unser Logo adaptiv werden lassen - Striche repräsentieren Gleise. Unser Logo auf dem Gleis 1. 

Es wurde gezeichnet, verworfen, diskutiert und abundzu wieder mal neu angefangen. Viele Feedbackrunden gemacht und dabei immer wieder neue Ideen gelaunched. Stephanie hat wahrscheinlich sehr viel Zeit damit verbracht, mich am Telefon beim Philosophieren auszuhalten. Aber genau daraus entstand etwas, das sich wirklich nach uns anfühlt.

Für uns waren Stephanie und Sophia von Seto Studio ein absoluter Match. Sie verstehen moderne Food Brands und gleichzeitig auch, dass gutes Design nicht einfach laut sein muss. Mit ihrem eigenen Projekt Harubaru Copy Club in Zürich bringen sie selbst viel (Selbst)Verständnis dafür mit, wie Food Konzepte und visuelle Identität heute zusammenspielen können. Und genau dieses Gefühl wollten wir auch für UNO schaffen. Einen Auftritt, der zeitgemäss ist, aber trotzdem locker und echt bleibt. 

Irgendwann wurde uns klar, dass wir zusätzlich eine Illustrationsebene entwickeln möchten, die unsere Stadt stärker mit hineinbringt (du siehst sie direkt auf unsere Startseite). Dafür haben wir mit Morten Kantsø zusammengearbeitet. Er hat Baden und einen Teil der Identität unserer Stadt auf eine unglaublich schöne und subtile Weise in die neue Bildwelt integriert. Nicht plakativ, sondern so, dass man es entdecken kann.

Solche Prozesse bestehen am Ende aus sehr viel mehr als nur Farben oder Fonts. Sie bestehen aus Gesprächen, Unsicherheiten, Diskussionen, viel Bauchgefühl und sehr viel Arbeit. Umso glücklicher sind wir, dass wir dafür Partner:innen gefunden haben, die nicht einfach etwas gestaltet haben, sondern wirklich versucht haben zu verstehen, wer wir sind.

Mit Prine haben wir zusätzlich einen weiteren starken Partner ins Boot geholt. Gemeinsam mit ihnen entstand unser neuer Kaffeefinder. Ein digitales Tool, das Menschen dabei hilft, schneller den Kaffee zu finden, den sie mögen und zu ihrer Zubereitungsart passt. Die Jungs verstehen nicht nur etwas von digitalem Design, sondern auch von Kaffee selbst. Dadurch konnten sie Dinge unglaublich schnell und präzise umsetzen und haben dem ganzen Projekt nochmals eine neue Ebene gegeben.

Für uns fühlt sich dieser neue Auftritt nicht wie ein Neustart an. Eher wie etwas, das schon lange da war und jetzt endlich sichtbar geworden ist. Schaus dir an! 

Danke 1000 an alle <3 Das war eine coole Teamarbeit. 

Bis bald an der Bar

Nicolas