Von Ilona Scherer
Caffè Uno zieht mit Rösterei ins Müllerbräu-Areal: «Kaffee wird zum Erlebnis»
Gründer Nicolas Vuille hat ein neues Zuhause für seine Rösterei und eine zweite Espressobar gefunden. Auf dem ehemaligen Brauerei-Areal will er damit einen Ort schaffen, wo Kaffee produziert wird – und den Weg vom Rohprodukt bis in die Tasse sichtbar machen.
Noch liegen Kabel und Baumaterial auf dem Boden, die Wände sind unverputzt, Leitungen und Rohre verlaufen offen unter der fast fünf Meter hohen Decke. Doch Nicolas Vuille sieht bereits, was hier entstehen soll. Gemeinsam mit Felix Meier von der Brauerei H. Müller AG, die das historische Müllerbräu-Areal derzeit zu einem neuen Stadtteil entwickelt , steht er in der künftigen Rösterei von Caffè Uno. Im Frühling 2027 zieht die Badener Kaffeemarke hier mitsamt einer neuen Espressobar ein, zwischen einem neuen Coop und dem Blue City Hotel. «Es soll ein Ort sein, an dem man unsere Marke erleben kann», sagt Vuille.
Bereits heute betreibt er am Bahnhof Baden die Espressobar Caffè Uno mit hochwertigem, selbst geröstetem Kaffee – und behauptet sich damit nur wenige Meter neben dem grossen «Starbucks». «Die Espressobar wird aber weiterhin dort bleiben», betont Vuille.
Die Rösterei befindet sich derzeit noch im Oederlin-Areal in Rieden bei Nussbaumen. Dieser Standort sei super gewesen für den Start, erklärt Vuille. «Inzwischen sind wir aber professioneller geworden.» Im Müllerbräu-Areal soll sich das Konzept weiterentwickeln. «Der Moment ist gekommen, um zu zeigen, was wir machen.»
An der Fensterfront zur Güterstrasse ist ein kleines Industrie-Café mit 15 bis 20 Plätzen geplant, dahinter die Rösterei. Getrennt werden die beiden Bereiche nur durch eine grosse, verschiebbare Glaswand. «Das Ganze soll eine ‹Experience› sein», erklärt der ehemalige Banker, der 2023 den Grundstein für Caffè Uno in Baden legte. «So können die Leute den Prozess der Kaffeeherstellung miterleben. Wir merken im Oederlin-Areal, dass dies die Passantinnen und Passanten interessiert, aber dort fehlt uns die Kapazität, allen die Türen zu öffnen», so Vuille.
Das Ambiente des Areals wird bewusst in das Konzept integriert. Die hohe Betondecke soll nicht abgehangen werden, sondern den Blick auf die Rohre freihalten. «Das entspricht der Industriewelt, in der wir uns hier befinden.» Durch die Glasscheibe hat man von der Espressobar aus freie Sicht auf den grossen Kaffeeröster, Säcke voller Grünbohnen sowie Silos mit frisch geröstetem Kaffee. Alle Möbel und Gegenstände der Rösterei sollen auf Rollen stehen, um flexibel im Raum bewegt werden zu können.
Über einen Durchgang gelangt man in einen rund 60 Quadratmeter grossen Schulungsraum im hinteren Bereich. «Hier werden wir Gastronomen und Privatpersonen in die Welt des Kaffees einweihen – ähnlich wie beim Wein», erklärt Nicolas Vuille. Zudem können hier Teamevents stattfinden.
Neben dem Kaffeerösten und -geniessen bleibt der Verkauf ein zentrales Standbein am neuen Standort. Heute beliefert Caffè Uno auch Detailhändler, Büros und Gastrobetriebe, unter anderem Coop, Manor, Galaxus sowie verschiedene Lokale in Baden und Zürich. Trotz dieses Wachstums bleibt Baden der zentrale Bezugspunkt. «Wir haben hier eine sehr coole Klientel», sagt Vuille, der sein KMU 2023 gegründet hat . «Darum bleiben wir der Stadt treu.»
Für Felix Meier, den Geschäftsführer der Brauerei H. Müller AG, passt das perfekt ins Gesamtkonzept «Brauen, Wohnen, Geniessen» auf dem geschichtsträchtigen Müllerbräu-Areal, wo ein neuer Stadtteil mit 137 Mietwohnungen entsteht. «Ich hatte schon lange die Vision von Bier und Kaffee unter einem Dach», sagt Meier. «Eine Kaffeerösterei war immer vorgesehen.»
Er finde es «richtig cool», was Vuille hier plane: «Nicolas bringt ein Erlebnis ins Müllerbräu-Areal. Er verkörpert das Kaffeerösten wie kaum ein anderer.» Gemeinsam schmieden die beiden auch weitere Pläne: «Wir möchten künftig auch Stadtführungen auf dem Müllerbräu-Areal anbieten und sind in Kontakt mit der Stadt Baden», verrät Meier.
Vision wird auf Umwegen Realität
Dass diese Vision Realität wird, war jedoch nicht von Anfang an klar. Vuille wollte ursprünglich an den Brown-Boveri-Platz ziehen und hatte sich für eine Fläche im Bento-Gebäude beworben. Er erhielt dort aber eine Absage. Noch am selben Tag habe er Felix Meier kontaktiert, und sie hätten schnell zusammengefunden.
Komplex wurde es danach trotzdem. Bauvorschriften und gesetzliche Anforderungen machten das Projekt anspruchsvoll. «Zweimal standen wir kurz davor, aufzugeben», sagt Felix Meier. «Wir mussten immer wieder neue Lösungen finden.» Am Ende habe das Zusammenspiel aller Beteiligten den Ausschlag gegeben. «Vom Lüftungsplaner bis zur Stadt – alle wollten, dass es klappt», so Nicolas Vuille.
Nun nimmt die neue Rösterei immer konkreter Form an, die Vorfreude steigt. Im März 2027 soll das Gebäude fertig sein, danach folgt der Innenausbau. Der neue Coop will im Sommer eröffnen, «aber wir werden schneller sein», gibt sich der ehemalige Spitzen-Kanute Nicolas Vuille ehrgeizig: «Am Bahnhof haben wir unsere Espressobar damals fünf Tage nach Schlüsselübergabe eröffnet.» Mitten im neuen Quartier entsteht so ein Ort, an dem Kaffee zum urbanen Erlebnis wird.