Winter am Gleis 1

|Nicolas Vuille

In diesen Tagen hat unsere Espressobar irgendwie gerade einen speziellen Vibe. Und ich habe mich darauf gefreut. Draussen am Bahnhof ist alles in Bewegung, die Leute im Stress, Züge fahren und Leute rennen an ihre letzten Termine. Bei uns passiert zwischenzeitlich etwas ganz anderes. Viele Menschen kommen rein, setzen sich, bleiben hängen. Und oft sitzen da vier ganz verschiedene Menschen an unserer Sitzbank im unterschiedlichen Alter, in unterschiedliche Leben und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Lustigerweise kommen genau diese Leute dann miteinander oft ins Gespräch. Es fühlt sich ein bisschen an, wie an einer Homeparty an der die Leute in der Küche miteinander rumhängen und miteinander diskutiert wrid. Über alles. In der Küche ist es eigentlich eh immer am coolsten an solchen Partys fällt mir gerade auf. 

Ich staune immer wieder, welche Menschen wir anziehen. Von sehr jung bis sehr alt, alle möglichen Typen, Stammgäste und Zufallsbesuche von irgendwo her, Leute mit Zeit und Leute, die eigentlich keine haben aber sitzen bleiben. Das passiert alles an einem Bahnhof, wo man ehrlich gesagt etwas anderes erwarten würde. Normalerweise lebt ein Bahnhof schnell und es freut mich, dass wir zwischenzeitlich ein bisschen Tempo rausnehmen können. Und es freut mich besonders, wenn ich höre, dass Leute planen, ein Geschenk von uns unter den Weihnachtsbaum zu stellen. Irgendwie fühlt sich das surreal aber auch sehr schön an. 

Kaffee ist in diesen Begegnungen oft nur der Anfang. Dann entstehen Gespräche. Die ersten Worte ein bisschen scheu, man weiss nicht so genau ob mann jetzt wirklich miteinander reden soll? Aber der Vibe und die kleine Fläche zwingt dich irgendwie dazu. Am Schluss merkt man, dass das gar kein grosses Ding ist, aber genau das, was im Alltag ab und zu fehlt. Spontane und ungezwungene Konversationen bei denen man sich einfach wieder verabschiedet ohne eine Verpflichtung eingegangen zu sein. 

Vor Weihnachten merkt man das besonders. Alles wird ein bisschen langsamer, die Gespräche ein bisschen länger und der Kaffee ein bisschen wichtiger. Und wenn ich sehe, wie diese völlig verschiedenen Menschen hier zusammenkommen, weiss ich wieder genau, warum wir das alles machen. 

1 Kommentar

Der (fast) tägliche Kaffi am Gleis 1 isz der perfekte Start in den Tag – oder auch mal am Nachmittag komm ich gern vorbei. Immer gute Stimmung und ein nettes Gespräch und das Beste in der Tasse. Danke euch und weiter so!

Daniel Zeeh

Hinterlasse einen Kommentar