Vortrag - Erfolg durch Niederlagen an der FHNW

|Nicolas Vuille

Vom Kanu zum Kaffee - irgendwie 

Heute durfte ich an einem Anlass von Innosuisse, organisiert von der FHNW, über meinen Weg und über caffè UNO sprechen. Für mich ist das nicht selbstverständlich. Vor vielen Menschen über so persönliche Dinge zu reden, macht mich nervös. 

Trotzdem wollte ich es ehrlich machen. Kein Marketing, kein Verkauf. Sondern einfach erzählen, wie es wirklich war und mal schauen wie das ankommt. mit all den Brüchen und Richtungswechseln, die dazugehört haben. Ich wollte einfach mal schauen, wie das so ankommt. 

Olympische Spiele

Ein grosser Teil meiner Jugend und meines jungen Erwachsenenseins war dem Kanuslalom gewidmet. Ich war 15 Jahre in der Kanu-Nationalmannschaft, und mein Traum waren die Olympischen Spiele. Ich habe viel dafür gemacht, was manche dafür nicht verstehen würden und das ist auch ganz okay so. Genau im Jahr der Olympischen Selektionen habe ich mir die Schulter verletzt. Eine komplizierte Operation, Pause, Frust. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich mir diesen Traum wohl nicht mehr erfüllen kann. Irgendwie stand ich gleichzeitig aber auch unter gesellschaftlichem Druck endlich etwas "richtiges" zu machen. Wie dem so auch sei - ich brauchte einen Wechsel und Abstand. 

Banking 

Nach dem Sport fühlte ich mich irgendwie komisch und wusste nicht so ganz wohin mit mir. Ich bin dann eher durch Zufall in einer Bank gelandet. Es war ein komplett anderer Alltag, aber ich hatte einen Chef, der an mich geglaubt und mich wirklich gefördert hat. Obwohl er mich einfach mal ins kalte Wasser geworfen hat. Ich hatte doch keine Ahnung von Investments. Später erzählte er mir, dass er mich angestellt hatte, weil ich Leistungssportler war. Ich durfte die vermögensten Leuten der Welt betreuen, viel Verantwortung übernehmen und bin dadurch gewachsen.

Später wechselten wir gemeinsam zu einer kleinen Privatbank. Nach acht Monaten kam der Kopfschlag der Firma. Zu viel Risiko für die Bank, weil Leute in Afrika ja bekanntlich nicht nur Rosen verkaufen. Und ich stand plötzlich wortwörtlich mit einer Kartonschachtel in der Hand vor der Türe der Bank. Oke. Ich musste wieder mal was überdenken. Eigentlich war die Idee dieses Wechsels, einfacher zu operieren und vom politischen Alltag in einer Grossbank wegzukommen. 

Auf Reisen während meiner Kanuzeit war ich oft in Coffeeshops unterwegs. Es waren Orte, an denen ich zur Ruhe kam und einfach Zeit für mich hatte. Ich begann Kaffee zu verstehen und habe die Parallelen zum Wein erkannt. Sowieso fragte ich mich die ganze Zeit wieso nicht irgendjemand mal einen anständigen Coffeeshop am Bahnhof eröffnet. Die Frage hatte mich allgemein nie ganz losgelassen. 

Heute ist daraus ein eleganter Coffeeshop entstanden der hochfrequentiert ist und meiner Meinung nach (ich möchte mich da nicht zu fest einschleimen) die absolut angenehmste Kundschaft erleben darf. Ausserdem gehören Coop, Galaxus, Manor, Michelin Restaurants und Top-Notch Coffeeshops zu unseren Kund:innen. Wenn ich das so schreibe fühlt es sich gleichzeitig normal und komplett absurd an. Ich hätte das selber nie im Voraus geplant. Logisch, ich habe viele Leute approached ob sie mit uns zusammenarbeiten möchten, aber es ist trotzdem nicht selbstverständlich. 

Warum ich den Vortrag gehalten habe

Ich wollte nicht erzählen, wie man eine Firma aufbaut, sondern wie man mit Rückschlägen umgeht. Wie man weitergeht, wenn etwas nicht klappt und wie man aus Umwegen etwas machen kann. 

Das schöne Feedback nach dem Anlass hat mich sehr gefreut. Wenn jemand daraus Motivation oder Zuversicht mitnimmt, dann bin ich froh, dass ich mich überwunden habe.

Danke an Dario Meyer für die Einladung und Organisation – und an alle, die zugehört haben.

1 Kommentar

Sehr tolle Story und bewundernswerter Weg!

Jan

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