
Wer unsere Bar kennt, weiss, dass die frühen Stunden bei uns ein komplettes Ding für sich sind. Die Menschen, die zwischen sieben und neun reinschneien (oder jetzt gerade eher reinregnen) könnten verschiedener nicht sein und ich liebe es (siehe letzter Instagram Post).
Sie alle kennen das Bild inzwischen fast schon zu gut: Leute stehen an, die La Marzocco klingt wie ein surrender Bär, die Mühle macht pausenlos „rrrrrrrrrrrrr“ und irgendwo ruft jemand noch: „Längts no? Ich han i 5 Min min Zug!“ Ja. Logo "längts no" Es reicht immer irgendwie. Ich weiss selbst nicht wie, aber es reicht. Alle unsere Baristi ein super Gespür dafür.
Für uns ist das Ganze längst mehr als nur „Service“. Es ist ein kleines Spektakel. Ein durchaus kontrolliertes Chaos, das erstaunlich gut funktioniert. Und das Beste daran: Es funktioniert nur wegen euch all unseren Top-Baristi.
Ich werde immer wieder gefragt, wie viele Leute wir am Morgen „durchlassen“. Ich lüge jeweils charmant herum, weil es mir heute gar nicht mehr wichtig ist, wie viel wir verkaufen. Ich messe nur ob ob unsere Marke, unsere Story und unsere Qualität besser werden. Denn wenn ich etwas gelernt habe, dann ist es wenn die Marke stimmt, stimmt der Rest automatisch, inklusive Umsatz. Das hat mir mal der CEO von ViCafe erzählt, Ramon. Und er hat Recht. Der Weg ist das Ziel. Aber okay, ich geb einen kleinen Hint. Unser Rekord liegt bei 124 Getränken auf 103 Gäste in einer Stunde. Alles auf rund 9 Quadratmeter. Shoutout an Tim. Klar hatten wir alle Hände voll zu tun. Zur Einordnung: Vor drei Jahren habe ich für 100 Kaffees noch zwölf Stunden gebraucht. Ab und zu war das ziemlich langweilig. Umso schöner aber die langen Gespräche die ich mit Kund:innen führen durfte!
Mehr sage ich dazu nicht. Aber ihr könnt euch vorstellen, wie fest wir inzwischen auf jede Sekunde achten müssen.
Momentan gibt es da ein Thema, dass mir immer wieder durch den Kopf schwirrt. Sollen wir Cards/Twint only in Baden einführen? Ich glaube wir wären die ersten haha.
Wer mich kennt, weiss, dass ich bestimmt nicht der Typ bin, der gerne Regeln aufstellt. Ich möchte, dass Menschen bei uns so konsumieren können, wie sie es am liebsten haben. Wir sind nicht Kaffee-Polizei. Ok, es gibt kein Rähmli, aber nur weil ich kein Bock habe das auch noch zu kaufen und ich überzeugt bin, dass es das nicht braucht. Es macht mich aber jedes einzelne Mal fertig, wenn jemand in der Schlange steht, sich vielleicht seit gestern Abend auf den Kaffee freut und dann geht, weil es einfach zu lange dauert. Ich verstehe das übrigens komplett und weiss, dass unsere Baristi alles geben. Trotzdem macht mich es nicht ganz happy, da wir eigentlich allen Kund:innen gerne gerecht werden möchten. Geht das überhaupt?
Vermutlich hast du auch schon gesehen, wie wir Kaffees auch schon an die Zugtüre geliefert haben. Dieser Task steht auf keiner Checkliste, aber wir möchten, dass was bestellt wird auch geliefert wird. Alle unsere Baristi machen das intrinsisch, weil unser Vibe stimmt und sie das Konzept verstanden haben. Ich habe das noch auf keine To-Do Liste geschrieben.
Anyway, auf jeden Fall gibt es etwas, dass wir nicht schönreden können. Barzahlungen bremsen uns extrem. Das ist auch nicht böse gemeint, aber statistisch ist das Fact.
Bei 15 Leuten in der Schlange werden aus fünf Sekunden Verzögerung schnell über eine eine Minute, aus einer Minute werden fünf. Zu deiner Referenz: Wenn wir bei 10 Kund:innen 5 Sekunden effizienter werden, sind wir eine Minute schneller. Zu deiner Referenz: Menschen verbringen in Baden ca 6 Minuten am Bahnhof um den Zug zu nehmen. Was wir bestimmt nicht wollen: Abfertigen. Aber wir möchten effizient sein sodass unser Konzept funktioniert. Schnell, super Kaffees von Top-Qualität zu erhalten.
Dazu kommt ein ganz anderer Gedanke. Wir arbeiten mit Lebensmitteln und haben nicht nach jeder Barzahlung die Kapazität, die Hände zu waschen. In einer Küche würde man eine:r Köchin oder Koch auch kein Münz in die Hand drücken. Warum ist das hinter der Bar normal? Vielleicht wären Karten nicht nur schneller, sondern wirklich hygienischer und auch viel sicherer. Jetzt aber Achtung:
Ich sage nicht, dass das DIE Lösung ist.
Es ist ein Gedanke und noch gar nichts entschieden.
Aber bevor wir überhaupt weiter überlegen, möchte ich wissen, was ihr denkt.
Stört euch cards only, ist es euch egal? Oder bist du sogar dafür, weil du so deinen Kaffee schneller bekommst? Bitte sag mir einfach nicht, dass du dich sonst vom Staat und den Banken kontrolliert fühlst aber 10 Stunden auf Insta hängst. Alles andere lasse ich gelten und werde mir Gedanken dazu machen. Ich schätze solchen Austausch und finde es eine spannende Diskussion.
Ich mag Transparenz und ich mag es ganz gut, wenn wir zeigen, dass wir uns Gedanken machen. Müsste ich ja alles nicht, aber ich will und unter diesem Format finde ichs auch ganz easy. Was richtig oder falsch ist weiss ich nicht, aber ich habe gemerkt, dass das Thema aneckt.
Vielleicht kann man so ja mal die Kommentarspalte eröffnen.
Cards only: ja, nein, vielleicht. Vamos.
Bis bald an der Bar
2 Kommentare
Absolutely love it! Nüd wo am morge meh nervt, wenn vor dir öbber de Münz usesuecht. Und d Hygiene, da bini 💯bi euch. Und er müessted am Obe no s Bargeld go izahle… das heisst: Firobe esch ned, wenn d Türe zuebschlosse wird. #cardsonly #walletforlife
Und Danke, förs Kafi an Zug bringe!
Cards, phone, watch, ring, eye (yes, this is possible-done it many times) as long as coffee is good, on time and done with love from UNO Top-Baristi 🙂