Ich bin momentan in Sambia am Kanufahren und es fällt nicht ganz einfach von hier aus einen Jahresrückblick zu schreiben.
Durchs Kanufahren durfte ich viele Flüsse auf der ganzen Welt paddeln. Jeder hatte seinen eigenen Charakter. Dieses Erlebnis hier ist in ganz vielen Facetten ganz anders. Der Fluss ist viel wuchtiger, aggressiver und grösser als ich das sonst so kenne. Am ersten Tag war ich ganz schön nervös. Drei Stunden Wildwasser auf höchster Schwierigkeitsstufe WW5. Hier muss dir niemand erklären, dass du auf dem Wasser lieber aufpasst. Der Zambezi Fluss spricht ziemllich für sich selbst. Es erstaunt mich immer wieder, wie gut man auf so einem grossen und crazy Fluss navigieren kann, man es aber mit ihm tun muss. Es fühlt sich nach einem Harmoniespiel an und man kommt dem Fluss mit jeder Fahrt näher. Das macht Spass, Respekt ist jedoch allerhöchste Prioriät.
Vor und nach dem Paddeln fahren wir an Dörfern vorbei, in denen die Armut so sichtbar ist, dass man gar nicht genau weiss wohin zu schauen. Die Menschen winken alle zu, die Kinder lachen und rufen nach leeren PET Flaschen. Man merkt erst wenn man hier ist, wie komplex Hilfe sein kann. Gestern sind wir in einem Dorf angehalten, dass einfacher nicht sein hätte können, angehalten und das war extrem eindrücklich.
Von hier aus auf ein erfolgreiches Jahr zurückzublicken fühlt sich seltsam an. Ich bin hier als Gast und mit dem Wissen, wieder nach Hause gehen zu dürfen und schreibe gleichzeitig über Wachstum, Entscheidungen und Zahlen. Dieser Kontrast lässt sich nicht einfach in Luft auflösen und fühlt sich ganz schön komisch an.
Wir haben Bälle, Kleider, Sandalen und Fussballschuhe mitgebracht. Das sind für uns alles Kleinigkeiten. Und doch ist es eindrücklich zu sehen, wie viel Freude das auslöst. Es zeigt, wie wenig es manchmal braucht und wie gross die Unterschiede auf dieser Welt nur sein können. Denn ich glaube, dass die Menschen hier nicht zwingend unglücklicher sind, nur weil sie aus unserer Sicht heraus weniger haben. Anyway, es bleibt spannend.
Zu unserem Jahr:
2025 war für uns (in unserer Realität) kein bequemes Jahr. Es war das erste volle Jahr in unserer neuen Espressobar am Gleis 1 und gleichzeitig ein intensives Wachstumsjahr für unsere Rösterei. In der Bar kamen gefühlt jede Woche mehr Menschen dazu und das ist mega schön, gleichzeitig merken wir, wie schwierig es ist, Qualität zu halten. Wir versuchen jedes Feedback ernst zu nehmen und Schlüsse daraus zu ziehen. Trotzdem muss man lernen seine eigene Meinung zu haben. Ausserdem durften wir in diesem Jahr rund 90 neue B2B Kund:innen und über neue 120 Verkaufsstellen dazu zählen. Fast alle drei Tage ein neuer Kunde. Darunter Top-Player die an uns glauben und ich mir vor einem Jahr nicht hätte vorstellen können, diese zu unseren Kunden zählen zu dürfen. Das klingt jetzt irgendwie einfacher als es wirklich war, merke ich gerade.
Dieses Wachstum fiel in eine Zeit massiv steigender Rohkaffeepreise (zum Teil über 230%). Preiserhöhungen waren für uns somit Alltag. Wir verwendeten Akquise gezielt als Instrument unsere Preise nicht erhöhen zu müssen. Wir hätten diesen heiklen Weg gehen können, stattdessen haben wir uns fürs Wachstum entschieden um Qualität zugänglich zu halten.
2025 sind wir ein bisschen angekommen. Wir haben die Partnerschaften mit Kund:innen und Produzent:innen massiv gestärkt. Dadurch wurde uns noch klarer was Beziehungen in unserer Branche bedeuten. Unsere Rolle als Brücke zwischen Produzent:innen und Kund:innen fühlt sich heute weniger nach Idee sondern immer mehr nach mehr Verantwortung an.
Unser ganzes Team hat dieses Jahr unglaubliches geleistet. Wachstum passiert nicht von selbst und alles was zu organisieren war, wurde irgendwie in Mitten des Chaos organisiert. Auch merkten wir, dass Chaos oft auch Wachstum bedeutet. Wir haben momentan rund 13 wunderbare Menschen auf unserer Payroll und alle stehen hinter dem, was wir machen. Das macht mich stolz.
Danke, an alle die uns verfolgen, Kaffee bei uns kaufen und Teil dieser Reise sind! <3 Bis bald an der Bar
Nicolas
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